Königstrail – Kjölur – per Pferd durch Island, Teil 2
Auf dem Isländer-Hof wurden wir von Asa und Hjalti herzlich in Empfang genommen, wir verteilten unser Gepäck in drei Hütten und konnten nun über den Zaun mit den Pferden ein bisschen Kontakt aufnehmen, es war eine große Herde Isländer und es war ein tolles Bild, wie sie dort alle mit ihren dicken Mähnen und dem puscheligen Fell standen und sehr freundlich wirkten. Irgendwann ging es dann weiter mit den Vorbereitungen, jeder bekam einen Sperrhalter, Satteltaschen, Regenhose und Regenjacke, einen Schlafsack mit Inlet, eine Trinkflasche und einen Reithelm und das für 20 Reiter, das dauerte und wir hatten das erste Mal schon das Gefühl, dass die Isländer keine Eile haben. Es war mittlerweile 15 Uhr und wir saßen immer noch nicht auf unseren Pferden, die gerade von der großen Herde getrennt wurden, um dann das erste Mal verteilt zu werden. Während der Anreise zum Hof hatte Vilborg jeden nach seiner Reiterfahrung und nach seinen Wünschen an das Pferd gefragt, hatte noch mal nach der Ausrüstung gefragt und uns Tipps gegeben. Jeder, der sein Pferd dann zugeteilt bekommen hatte, säuberte den Bereich, in dem der Sattel aufliegt, entweder mit einem Striegel oder aber mit einem Stein, sattelte das Pferd, legte den Sperrhalfter an, stellte sich die Steigbügel ein und wartete dann wieder…Als dann alle fertig waren, kam der große Moment, auf den wir uns lange sehr gefreut hatten, das Reiten ging los. Kaum waren wir vom Hof fingen wir auch schon an zu tölten. Der Tölt ist eine Spezialgangart, bei dem der Reiter fast erschütterungslos im Sattel sitzen bleiben kann, Tölt kann sowohl sehr langsam als auch sehr schnell geritten werden. Für meinen Vater und mich war es eine sehr ungewohnte Gangart, wir waren bisher nur ein-, zweimal auf Isländern geritten und hatten von daher keine Erfahrung, es fühlte sich die ersten Minuten falsch an, aber nach nur kurzer Zeit sehr bequem und gut zu reiten. An diesem Tag mussten wir noch eine 20 Kilometer lange Strecke schaffen, so dass das Tempo von Anfang an hoch war und unsere erste Pause machten wir beim Wasserfall Gullfoss. Unsere Pferde kamen abgetrenst und abgesattelt in einen für die Reitgruppen vorgesehenen Pferch. Wir hatten Zeit, uns den berühmten Wasserfall an zu gucken, oder aber auch, uns um unsre ersten Wunden zu kümmern. Wir waren bisher erst 2 Stunden geritten oder hatten noch 5 weitere Tage vor uns, ich kam mir ein bisschen verloren vor und mir tat doch ein bisschen der Po weh. Nach der Pause ging es dann noch querfeldein weiter Richtung Gletscher Langjökull. Unsere Pferde blieben in dieser Nacht in der Natur und wir wurden mit Autos zum Hof zurückgebracht und verbrachten dort die Nacht. Asa kochte für uns sehr leckeren Fisch und beim Abendessen erzählt uns Vilborg, welche Strecke wir am nächsten reiten würden und welche Ausrüstung wir doch immer dabei haben sollten, zum Beispiel sollten wir immer unser Regenzeug dabei haben, auch wenn morgens keine Wolke am Himmel ist und Vilborg sollte Recht behalten. An diesem Abend saßen wir noch zusammen und überlegten, wie man sich am besten gegen Blasen, Schrunden und Durchreiten schützen könnte, wir waren sehr schnell eine gut eingespielte Gruppe, jeder half bereitwillig jedem anderen, es war sofort ein gutes Teamgefühl, was uns auch den ganzen Ritt begleitete. An diesem Abend trieben dann später noch die Landarbeiter den Rest der Herde zu der gleichen Stelle, an der unsere Pferde übernachteten, insgesamt begleitete uns eine Herde von ca. 100 Pferden.
Am nächsten Morgen, unserem 2. Reittag, machten wir uns nach dem Frühstück Sandwichs für den Tag, wir würden Asa erst am Abend in unserer nächsten Hütte wieder treffen. Wir packten unsere gefüllten Wasserflaschen, unsere Brote und unsere Regensachen in unsere Satteltaschen und dann hätte es losgehen können. Aber wir mussten lernen, dass die Isländer ein anderes Tempo haben, wenn wir schon alle fertig waren, wurde immer noch gemütlich geräumt. Es war schwer möglich, sich diesem Tempo an zu passen und es war auch nicht nur ein deutsches Problem. Unsere Gruppe war international, wir hatten zwei Österreicherinnen dabei, vier Däninnen, eine Belgierin, eine Französin und eine Engländerin, alle hatten wir anfangs und eigentlich auch bis zum Ende mal mehr und mal weniger Schwierigkeiten mit Phasen, in denen wir dachten, es könnte losgehen, die Ruhe der Isländer zu verstehen.
Bei den Pferden angekommen, wurden sie uns wieder zugeteilt, geputzt, getrenst und gesattelt und dann ging es los, wir ritten heute entlang dem Berg Bláfell, immer wieder durch kleine Bachläufe, die Natur wurde immer karger, steiniger. Am Anfang waren wir noch über Felder mit lila blühenden Alaska-Lupinen geritten, mittlerweile gab es nicht mehr viele Farben, überall lag Lavagestein und nur bei genauerem Hinsehen konnte man noch kleine Pflänzchen zwischen den Steinen sehen. In einer kurzen Pause an einem kleinen Fluss stehend, wurden wir von der restlichen Herde überholt, unsere Pferde wurden ein wenig unruhig, dies war der erste Trail in diesem Jahr und die Pferde mussten sich wohl erstmal wieder daran gewöhnen, von einer Herde überholt zu werden, es war sehr imposant zu sehen, wie die 80 Isländer auf uns zu galoppierten. Wir konnten ihr Getrampel auf dem Boden hören, schon lange bevor wir die Pferde sehen konnten und auch noch lange, nachdem sie uns schon überholt hatten. Da fiel mir erstmals auf, wie leise es eigentlich war, es waren nur die Pferde, die Geräusche machten, es gab wenig Vögel und sonst gab es eigentlich gar nichts um uns herum, nur Weite, Weite, Weite. Wir machen noch zwei weitere Pausen, in denen wir mit den Rücken zum Wind standen und immer wieder regnete es, aber auch gegen die Kälte schützte die Regenkleidung, direkt neben unserem Rastplatz lag Schnee. Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass es im Juni so kalt sein würde, aber die Kälte und die Nässe drangen durch alles durch, dazu kam auch ein kalter Wind, wir waren mittlerweile auf einer Höhe von ca….Meter. Nach einer langen Pause wurden die Pferde getauscht, so dass wir jeder jeden Tag zwei unterschiedliche Pferde ritten. Wir überquerten den Fluss Hvítá und hatten einen schönen Blick über den nahe gelegenen Gletschersee Hvítárvatn, als wir abends dann in der Berghütte Árbúðir am Ufer des Flusses Svartá ankamen, hatte es sich wieder zugezogen und wir haben uns alle über den Tee gefreut, mit dem uns Asa begrüßte. Die Hütte bestand aus 2 Räumen, die Waschgelegenheiten waren draußen an der feuchten und rauhen Luft, jedes Mal, wenn man zur Toilette musste, musste man sich wieder die Schuhe anziehen und ins Kalte, da überlegte man lieber zweimal. Später erzählte uns Vilborg noch, dass wir heute durch eine Gegend geritten sind, die früher von Geächteten durchstreift wurde. Als Pfand für eine sichere Reise sollten wir uns einen kleinen Stein in die Tasche stecken. Wer weiß, ob wir ihn nicht später noch brauchen könnten.
Am nächsten Morgen konnten wir erst sehen, wie schön der Blick von dieser Hütte aus war, wir guckten fantastisch auf den Gletscher Langjökull, seine Gletscherzungen gingen über in viele Flüsse, die eiskalt und sehr klar aussahen. Leider zog es im Laufe der Stunden, der wir die Pferde fertig machten und alles einpackten zu und bis wir losritten regnete es und es war sehr nass und kalt, wir ritten Richtung Hvítárvatn, einem Gletschersee, der dem Langjökull-Gletscher entspringt. Gemeinsam mit der Herde ging es entlang dem Fluss Svartá und durch das Gránunes Gebiet, das überwiegend Hochmoor war. Wir mussten sehr aufpassen, dass unsere Pferde nicht in Löcher traten, eigentlich waren die Isländer sehr trittsicher, aber diese Löcher im Hochmoor waren schwer zu sehen und wir mussten das einzige Mal ein wenig eingreifen, bei den sonst so selbstständigen Pferden. Durch die eingetretenen Pfade war die gesamte Herde wie an einer Schnur gezogen und man konnte nur die Ebene mit ihrem unglaublichen Grün und die vor sich laufenden Pferde sehen, diese Weite und diese friedliche Bild von Natur und Tier war Blick, an dem ich mich nicht stattsehen konnte und der mir sehr in Erinnerung blieb. Diese Gegend, die wir durchquerten, wurde nach dem Pferd Grána benannt und abends erzählte uns Vilborg in der Hütte Svartárbotnar wieder eine schaurige Geschichte von einem Pferd, das als einzige Tier einen Winter in dieser Gegend überlebt hatte, der Rest der Pferdeherde und auch alle Menschen waren gestorben. Dem Pferd war aber sein Gepäck auf dem Rücken ins Fleisch eingewachsen, so dass dieses Pferd getötet werden musste. In dieser Berghütte gab es für uns alle zwei Schlafräume und eine warme Dusche und jeder durfte nicht mehr als 3 Minuten duschen, es war die einzige warme Dusche auf der gesamten Reise, fast alle wollten doch gerne mal kurz duschen, so standen wir alle vor der Dusche und warteten und danach saßen wir noch lange mit heißem Tee von Asa zusammen, die uns auch an diesem Abend verwöhnte.