Sonntag, 5. September 2010, 22:23 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • PFERD & REITER
  • Anmelden
  • Registrieren

franknfrank

unregistriert

1

Montag, 12. Juli 2010, 15:58

Kirgistan 26.06. - 10.07.2010

Hallo Trailfans!



Für alle Interessierten wollte ich kurz mal von meinem Trail in Kirgistanberichten.



Zuerst: Es waren viele Freunde und Verwandte skeptisch wegen der Unruhen und der Revolution im Frühjahr. Ich hatte keinerlei Probleme und nichts mitbekommen. Alles war ruhig.

Anreise via Moskau war sehr lang. Abholung morgens um 06:30 problemlos; nach einem Frühstück ging es nach Barskoon. Die lange Fahrt habe ich allerdings verschlafen :sleeping:

Dort angekommen wurde ich mit der Möglichkeit überrascht, in der Sauna heiß zu duschen - herrlich! Das essen wurde immer in einer Jurte nach traditioneller Art serviert. Es war immer wirklich lecker.

Am nächsten Tag wurde gepackt und der Stall aufgesucht. Leider war ich alleine mit den beiden Guides unterwegs. Also tagelang nur englisch reden oder ein paar Brocken Russisch anbringen :rolleyes: . Da ich mir die kirgisischen Namen kaum merken konnte, nannte ich die Guides bei ihren Spitznamen Max und Andreij. Die Pferde waren sehr gutmütig. Ein Pferd ging geführt als Lasttier mit. Das Gepäck ist limitert, also ist kleines Packmaß von Vorteil. Qualitätsware zahlt sich hierbei aus.

Schon nach wenigen Stunden waren wir einige hundert Höhenmeter weiter. Die Ausblicke waren atemberaubend. Es erinnert sehr an die Alpen, ist aber einfach größer und vor allem fällt die menschliche Präsenz weniger auf. Und der Ausblick über diesen riesigen (salzigen) See auf die schneebedeckten Berge am anderen Ufer hundert Km entfernt ist schlichtweg kaum zu beschreiben.

Dieser Tag war schon Vorlage für die folgenden Tage: Frühstück, Zelt abbauen, reiten, Mittagspicknick, reiten, Zelt aufbauen, Abendessen, schlafen.

Hier muß ich ehrlicherweise sagen, daß wir eigentlich nur im Schritt ritten. Das Gepäck und das Gelände auf diesem Trail ließen kaum andere Gangarten zu. Die letzte Eiszeit hat soviel Geröll in die Gegend gestreut und bisher fand niemand Zeit zum aufräumen. Auf anderen Routen geht es auch flotter zu, aber wetterbedingt mußten wir diesen Weg wählen. Mir macht das nichts aus.

Die Landschaft änderte sich mit zunehmender Höhe. Aber immer war der Einfluß des Menschen für geübte Augen sichtbar. Jeder Quadratmeter dieser Gegend ist Weideland. Bis hinauf zur Vegetationsgrenze. Daher erscheint alles oft wie eine riesige Parklandschaft, in Form gehalten durch unsichtbare Gärtner. Aber diese Gärtner laufen überall herum. Immerwieder trifft man auf Herden von Schafen, Rindern oder Pferden. Manchmal von Hirten begleitet, manchmal ohne Aufsicht. Die Tiere können ihren Weg oft frei wählen.

Und ohne diese Beweidung gäbe es auch nicht diese Fülle an Blumen und diese überwältigende Farbenpracht! Vergißmeinicht, Hahnenfuß, Edelweiß, Eisenhut, uvm. blüht auf jedem Flecken. Zudem je nach Höhenlage oder Bewässerung Orchideen oder Sibirische Wieseniris in Massen. Und Wildtiere haben sich darauf eingestellt. Es gibt sehr viele Murmeltiere und deren Beutegreifer wie Adler und Milane. Die Geier (Bartgeier!!) halten sich eher an abgestürtzte Weidetiere. Auch eine Wolfsspur sahen wir einmal.

Das Panorama und diese alpine Umgebung beeindruckt bei jedem Blcik auf´s neue. Über 3000m über NN merkt man dann auch selbst schnell, daß nichts mehr "schnell" geht. Mal eben geschwind ins Unterholz rennen um den Tee loszuwerden erzwingt einige Minuten Verschnaufpause. Die Stunden im (überaus bequemen) Sattel empfand ich dagegen nicht im mindesten als Anstrengung. Die Pferde sind so trittsicher, daß man meist ihnen die Wahl des genauen Weges überlassen kann.

Ab und zu regnet es mal für kruze Zeit, längstens drei Stunden. Rasche Wetterumschwünge sind im Gebirge eben zu erwarten. Und als an einem Tag eine gigantische Wolkenwand den Hang hinaufstürmte und uns verschlang - man bekommt respekt vor diesem Gewalten.

Die Guides kennen in der Gegend fast jeden anderen Hirten. Da man sich nur alle paar Wochen mal über den Weg reitet, wird öfters mal für einen Plausch gehalten. Dafür kommt man den Einheimischen sehr nahe und deren Zurückhaltung ist geringer, als wenn man auf dem Mountainbike daherkäme. Mein Geschmack ist die vergorene Stutenmilch oder der saure Joghurt-Wasser-Mix ja nicht, aber um der Höflichkeit willen schlägt man die angeboteten Gabe natürlich nicht aus....

Am beeindruckendsten war mit der Besuch bei einer Hirtenfamilie, die von Schweizern beigebracht bekamen, echten Schweizer Käse herzustellen. Mitten in Zentralasien steht man in einem Käsereizelt. Unglaublich!

So verging Tag um Tag. Ich war ohne uhr und Kalender unterwegs und mußte Max immer wieder fragen, welcher Tag ist.

Highlight war auch der Besuch in einer Thermalquelle. Heiß baden nach acht Tagen klaten Bachwassers - herrlich!

Und irgendwann begann der Abstieg zuück in Richtung Barskoon. Nochmal ändert sich die Landschaft. Diesmal in eine karge Wüste am Fuße der Berge.

Dort verbrachte ich noch eine Nacht bevor es zurück nach Bishkek ging.

Das Hotel in der Hauptstadt war sehr schön. Mit kleinem Pool (super bei >30°C). Am zweiten Tag führten mich der 19jährige Sohn eines Mitarbeiters des Teams (ich habe es einfach nicht mit Namen und Beziehungen usw.) und dessen Freund durch die Stadt. So zeigte mir ein Augenzeuge die Einschußlöcher der Revolutionstage. Geschichte hautnah. Auch erfuhr ich so direkt welche Probleme und Hoffnungen die Menschen in diesem faszinierenden Land haben.

Es war wirklich ein gelungener (Erlebnis-)Urlaub.

Das mit den Bildern zufügen klappt leider nicht so recht. Schade!

Viele Grüße, Frank

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Svenja« (13. Juli 2010, 09:22)


UKE

seltener Benutzer

Beiträge: 13

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Raum München

2

Donnerstag, 29. Juli 2010, 08:04

Hallo Frank,

schön auch in diesem Jahr von Reisenden zu lesen, die in Kirgistan waren. Schade das es mit deinen Bildern nicht geklappt hat - ich hätte gerne noch ein wenig in Erinnerungen geschwelgt. Mich hat der Trail letztes Jahr wirklich begeistert und natürlich habe ich dadurch auch die politischen Entwicklungen genau verfolgt. Schön, das du nicht hast abschrecken lassen und dieses tolle Land besucht hast.

Ute

Brigitte

seltener Benutzer

3

Donnerstag, 29. Juli 2010, 10:23

Bilder zu Kirgistan

... auch ich hatte Schwierigkeiten, Fotos einzufügen. Die habe ich dann einfach per Email extra geschickt und das P&R-Team hat sie eingefügt in meinen Bericht.

Brigitte

Thema bewerten