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VerenaE

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1

Mittwoch, 19. Mai 2010, 19:31

Königstrail – Kjölur – per Pferd durch Island Teil 1

Der Königstrail – Kjölur – per Pferd durch Island
Die Idee stammte von meinem Vater. Er hatte schon einige Jahre überlegt, einmal Island auf dem Rücken eines Isländers zu durchqueren und als er mich fragte, ob wir diese Reise zusammen machen wollen, war ich sofort begeistert. Meine Kindheit habe ich auf Pferden verbracht und bin immer viel mit meinen Eltern geritten. Wir hatten beide noch nie eine Reitreise gemacht und hatten schon mit den Vorbereitungen zusammen viel Spaß, abends saßen wir zusammen und überlegten, was wir wohl brauchen würden, was wohl praktisch wäre, wie wir Gepäck sparen könnten, und vielleicht auch das eine oder andere Mal, ob das wohl die richtige Entscheidung war.
Das war vorher und nun sind wir zurück und haben viele unglaublich schöne Eindrücke zusammen erlebt. Eindrücke, die wir gemeinsam haben und hoffentlich noch lange miteinander teilen können, auch wenn mal andere Zeiten kommen, bestimmt auch Zeiten des Abschieds.
Wir hatten uns nach einigem Überlegen entschieden, die Reitreise zu machen, die Island einmal durchquert - die Kjölur-Route. Diese Route ist zum einem die historische Route, die die Isländer schon geritten sind, als sie nach Thingvellir im Süden des Landes wollten, um an dem im Jahre 930 n.Chr. gegründeten Parlament teilzunehmen, zum anderen wollten wir gerne verschieden Regionen und Besonderheiten von Island sehen.
Angereist ist jeder Teilnehmer zu unterschiedlichen Zeiten. Mein Vater und ich landeten um 23:50 Uhr in Keflavik, dem Flughafen von Reykjavik. Als erstes fiel uns auf, dass es um Mitternacht noch nicht vollständig dunkel war. Island liegt auf dem 64. Breitengrad und im Juni geht die Sonne erst nach Mitternacht unter, da es durch die Sommerzeit es eine Stunde Verschiebung gibt. Es ist dann für nicht mal 2 Stunden dunkel und ganz im Norden von Island geht die Sonne dann nicht mal mehr komplett unter. Wir sind am 21. Juni gelandet, dem längsten Tag im Jahr.
Am nächsten Morgen trafen wir uns dann mit unserer Reitgruppe (es waren 18 Frauen und nur zwei Männer) an einem kleinen Reisebus, der uns zu dem Isländer-Hof Kjoastadir bringen sollte. Auf dem Weg dorthin besuchten wir Thingvellir, heute ein Nationalpark und berühmt für die Lage direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die nordamerikanische und die eurasische Erdplatte auseinander driften, was sehr beeindruckend zu sehen war und wohl auch ein stetiger Prozess ist. Hier machten wir unsere erste Pause und Vilborg, unsere Führerin, die uns auch auf unserem Ritt betreuen würde, stellte sich vor. Vilborg war Isländerin und liebt, wie wohl typisch für die nordischen Länder Geschichten und Sagen und sie erzählte uns die ganze Reise viele typische Sagen von Feen und Trollen, die sie wohl überwiegend von ihrem Großvater erzählt bekommen hatte. Unser nächster Stopp auf dem Weg zu den Heißersehnten Pferden war dann am bekannten Heißquellengebiet Geysir, nach dem die Geysire benannt sind. Hier gab es viele kleine Geysire und einige erloschene und dann einen großen und sehr beeindruckenden, ca. alle 5 Minuten schoss eine geschätzt 25 Meter hohe Fontäne aus diesem Geysir. Von dort aus ging es dann endlich zum Isländer-Hof, wir waren alle schon ein wenig ungeduldig, zum einem waren wir sehr gespannt auf die Isländer und wollten auch endlich reiten und zum anderen sollten wir heute noch einige Stunden auf den Pferden reiten.

VerenaE

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2

Mittwoch, 19. Mai 2010, 19:33

Königstrail – Kjölur – per Pferd durch Island, Teil 2

Auf dem Isländer-Hof wurden wir von Asa und Hjalti herzlich in Empfang genommen, wir verteilten unser Gepäck in drei Hütten und konnten nun über den Zaun mit den Pferden ein bisschen Kontakt aufnehmen, es war eine große Herde Isländer und es war ein tolles Bild, wie sie dort alle mit ihren dicken Mähnen und dem puscheligen Fell standen und sehr freundlich wirkten. Irgendwann ging es dann weiter mit den Vorbereitungen, jeder bekam einen Sperrhalter, Satteltaschen, Regenhose und Regenjacke, einen Schlafsack mit Inlet, eine Trinkflasche und einen Reithelm und das für 20 Reiter, das dauerte und wir hatten das erste Mal schon das Gefühl, dass die Isländer keine Eile haben. Es war mittlerweile 15 Uhr und wir saßen immer noch nicht auf unseren Pferden, die gerade von der großen Herde getrennt wurden, um dann das erste Mal verteilt zu werden. Während der Anreise zum Hof hatte Vilborg jeden nach seiner Reiterfahrung und nach seinen Wünschen an das Pferd gefragt, hatte noch mal nach der Ausrüstung gefragt und uns Tipps gegeben. Jeder, der sein Pferd dann zugeteilt bekommen hatte, säuberte den Bereich, in dem der Sattel aufliegt, entweder mit einem Striegel oder aber mit einem Stein, sattelte das Pferd, legte den Sperrhalfter an, stellte sich die Steigbügel ein und wartete dann wieder…Als dann alle fertig waren, kam der große Moment, auf den wir uns lange sehr gefreut hatten, das Reiten ging los. Kaum waren wir vom Hof fingen wir auch schon an zu tölten. Der Tölt ist eine Spezialgangart, bei dem der Reiter fast erschütterungslos im Sattel sitzen bleiben kann, Tölt kann sowohl sehr langsam als auch sehr schnell geritten werden. Für meinen Vater und mich war es eine sehr ungewohnte Gangart, wir waren bisher nur ein-, zweimal auf Isländern geritten und hatten von daher keine Erfahrung, es fühlte sich die ersten Minuten falsch an, aber nach nur kurzer Zeit sehr bequem und gut zu reiten. An diesem Tag mussten wir noch eine 20 Kilometer lange Strecke schaffen, so dass das Tempo von Anfang an hoch war und unsere erste Pause machten wir beim Wasserfall Gullfoss. Unsere Pferde kamen abgetrenst und abgesattelt in einen für die Reitgruppen vorgesehenen Pferch. Wir hatten Zeit, uns den berühmten Wasserfall an zu gucken, oder aber auch, uns um unsre ersten Wunden zu kümmern. Wir waren bisher erst 2 Stunden geritten oder hatten noch 5 weitere Tage vor uns, ich kam mir ein bisschen verloren vor und mir tat doch ein bisschen der Po weh. Nach der Pause ging es dann noch querfeldein weiter Richtung Gletscher Langjökull. Unsere Pferde blieben in dieser Nacht in der Natur und wir wurden mit Autos zum Hof zurückgebracht und verbrachten dort die Nacht. Asa kochte für uns sehr leckeren Fisch und beim Abendessen erzählt uns Vilborg, welche Strecke wir am nächsten reiten würden und welche Ausrüstung wir doch immer dabei haben sollten, zum Beispiel sollten wir immer unser Regenzeug dabei haben, auch wenn morgens keine Wolke am Himmel ist und Vilborg sollte Recht behalten. An diesem Abend saßen wir noch zusammen und überlegten, wie man sich am besten gegen Blasen, Schrunden und Durchreiten schützen könnte, wir waren sehr schnell eine gut eingespielte Gruppe, jeder half bereitwillig jedem anderen, es war sofort ein gutes Teamgefühl, was uns auch den ganzen Ritt begleitete. An diesem Abend trieben dann später noch die Landarbeiter den Rest der Herde zu der gleichen Stelle, an der unsere Pferde übernachteten, insgesamt begleitete uns eine Herde von ca. 100 Pferden.
Am nächsten Morgen, unserem 2. Reittag, machten wir uns nach dem Frühstück Sandwichs für den Tag, wir würden Asa erst am Abend in unserer nächsten Hütte wieder treffen. Wir packten unsere gefüllten Wasserflaschen, unsere Brote und unsere Regensachen in unsere Satteltaschen und dann hätte es losgehen können. Aber wir mussten lernen, dass die Isländer ein anderes Tempo haben, wenn wir schon alle fertig waren, wurde immer noch gemütlich geräumt. Es war schwer möglich, sich diesem Tempo an zu passen und es war auch nicht nur ein deutsches Problem. Unsere Gruppe war international, wir hatten zwei Österreicherinnen dabei, vier Däninnen, eine Belgierin, eine Französin und eine Engländerin, alle hatten wir anfangs und eigentlich auch bis zum Ende mal mehr und mal weniger Schwierigkeiten mit Phasen, in denen wir dachten, es könnte losgehen, die Ruhe der Isländer zu verstehen.
Bei den Pferden angekommen, wurden sie uns wieder zugeteilt, geputzt, getrenst und gesattelt und dann ging es los, wir ritten heute entlang dem Berg Bláfell, immer wieder durch kleine Bachläufe, die Natur wurde immer karger, steiniger. Am Anfang waren wir noch über Felder mit lila blühenden Alaska-Lupinen geritten, mittlerweile gab es nicht mehr viele Farben, überall lag Lavagestein und nur bei genauerem Hinsehen konnte man noch kleine Pflänzchen zwischen den Steinen sehen. In einer kurzen Pause an einem kleinen Fluss stehend, wurden wir von der restlichen Herde überholt, unsere Pferde wurden ein wenig unruhig, dies war der erste Trail in diesem Jahr und die Pferde mussten sich wohl erstmal wieder daran gewöhnen, von einer Herde überholt zu werden, es war sehr imposant zu sehen, wie die 80 Isländer auf uns zu galoppierten. Wir konnten ihr Getrampel auf dem Boden hören, schon lange bevor wir die Pferde sehen konnten und auch noch lange, nachdem sie uns schon überholt hatten. Da fiel mir erstmals auf, wie leise es eigentlich war, es waren nur die Pferde, die Geräusche machten, es gab wenig Vögel und sonst gab es eigentlich gar nichts um uns herum, nur Weite, Weite, Weite. Wir machen noch zwei weitere Pausen, in denen wir mit den Rücken zum Wind standen und immer wieder regnete es, aber auch gegen die Kälte schützte die Regenkleidung, direkt neben unserem Rastplatz lag Schnee. Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass es im Juni so kalt sein würde, aber die Kälte und die Nässe drangen durch alles durch, dazu kam auch ein kalter Wind, wir waren mittlerweile auf einer Höhe von ca….Meter. Nach einer langen Pause wurden die Pferde getauscht, so dass wir jeder jeden Tag zwei unterschiedliche Pferde ritten. Wir überquerten den Fluss Hvítá und hatten einen schönen Blick über den nahe gelegenen Gletschersee Hvítárvatn, als wir abends dann in der Berghütte Árbúðir am Ufer des Flusses Svartá ankamen, hatte es sich wieder zugezogen und wir haben uns alle über den Tee gefreut, mit dem uns Asa begrüßte. Die Hütte bestand aus 2 Räumen, die Waschgelegenheiten waren draußen an der feuchten und rauhen Luft, jedes Mal, wenn man zur Toilette musste, musste man sich wieder die Schuhe anziehen und ins Kalte, da überlegte man lieber zweimal. Später erzählte uns Vilborg noch, dass wir heute durch eine Gegend geritten sind, die früher von Geächteten durchstreift wurde. Als Pfand für eine sichere Reise sollten wir uns einen kleinen Stein in die Tasche stecken. Wer weiß, ob wir ihn nicht später noch brauchen könnten.
Am nächsten Morgen konnten wir erst sehen, wie schön der Blick von dieser Hütte aus war, wir guckten fantastisch auf den Gletscher Langjökull, seine Gletscherzungen gingen über in viele Flüsse, die eiskalt und sehr klar aussahen. Leider zog es im Laufe der Stunden, der wir die Pferde fertig machten und alles einpackten zu und bis wir losritten regnete es und es war sehr nass und kalt, wir ritten Richtung Hvítárvatn, einem Gletschersee, der dem Langjökull-Gletscher entspringt. Gemeinsam mit der Herde ging es entlang dem Fluss Svartá und durch das Gránunes Gebiet, das überwiegend Hochmoor war. Wir mussten sehr aufpassen, dass unsere Pferde nicht in Löcher traten, eigentlich waren die Isländer sehr trittsicher, aber diese Löcher im Hochmoor waren schwer zu sehen und wir mussten das einzige Mal ein wenig eingreifen, bei den sonst so selbstständigen Pferden. Durch die eingetretenen Pfade war die gesamte Herde wie an einer Schnur gezogen und man konnte nur die Ebene mit ihrem unglaublichen Grün und die vor sich laufenden Pferde sehen, diese Weite und diese friedliche Bild von Natur und Tier war Blick, an dem ich mich nicht stattsehen konnte und der mir sehr in Erinnerung blieb. Diese Gegend, die wir durchquerten, wurde nach dem Pferd Grána benannt und abends erzählte uns Vilborg in der Hütte Svartárbotnar wieder eine schaurige Geschichte von einem Pferd, das als einzige Tier einen Winter in dieser Gegend überlebt hatte, der Rest der Pferdeherde und auch alle Menschen waren gestorben. Dem Pferd war aber sein Gepäck auf dem Rücken ins Fleisch eingewachsen, so dass dieses Pferd getötet werden musste. In dieser Berghütte gab es für uns alle zwei Schlafräume und eine warme Dusche und jeder durfte nicht mehr als 3 Minuten duschen, es war die einzige warme Dusche auf der gesamten Reise, fast alle wollten doch gerne mal kurz duschen, so standen wir alle vor der Dusche und warteten und danach saßen wir noch lange mit heißem Tee von Asa zusammen, die uns auch an diesem Abend verwöhnte.

VerenaE

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3

Mittwoch, 19. Mai 2010, 19:34

Königstrail – Kjölur – per Pferd durch Island, Teil 3

Der vierte Tag wurde der längste und Vilborg hatte noch am Abend vorher gesagt, dass es landschaftlich der schönste werden würde, so dass wir alle auf gutes Wetter hofften und es schien tatsächlich die Sonne, alle Wolken waren weg und wir ritten entlang der markanten Lavafelder Kjalhraun, die unsere trittsicheren Islandpferde problemlos überwunden, die Lavasteine waren zum Teil Fußball groß und die Pferde schafften es trotzdem, sich einen Weg zu suchen, wir waren ganz fasziniert von dieser Eigenschaft der Isländer. Während des Rittes lag der Gletscher Langjökull neben uns und wir hatten einen großartigen Blick auf den Gletscher, der hinter den schwarzen Lavafeldern mit seinem Weiß umso imposanter wirkte. Nachdem wir den Vormittag großteils mit der Herde zusammengeritten waren, trennten wir uns nach der Mittagspause, um durch Thjófadalir, das Tal der Diebe zu reiten, dieses Tal war für Pferde ohne Reiter nicht erlaubt, da hier auch Wanderwege waren. Unser Weg durch dieses Tal führt uns zu einer Hütte, die unglaublich schön auf der Mitte einer Ebene lag, umringt von schneebedeckten Ausläufern des Gletschers, laut Vilborg war diese Selbst-Versorger-Hütte die kleinste von Island und wohl auch die schönste. Am Ende des Tales ritten wir über ein Schnee- und Lavafeld, und es ging bergauf auf eine Hochebene, von der aus wir einen gigantischen Blick auf den Geltscher Hofsjökull vor uns und den Gletscher Langjökull hinter uns hatten. Auf dieser Ebene hatten wir eine tolle Strecke zum Tölten, das Gras unter uns war weich und die Pferde liefen mit großer Freude, nach einer Stunde kamen wir dann bei dem Stall an, der zu unserer nächsten Hütte gehörte und erledigten mittlerweile schon viel routinierter unser Ritual mit den Pferden. Wir waren an diesem Abend bis nach Hveravellir geritten, einem Geothermalgebiet. Wir übernachteten in dieser Nacht wohl in der kleinsten Hütte für 20 Personen. In einem Raum wurde gekocht, sich in Schichten umgezogen, in Schichten gegessen, geschlafen und viel gelacht. Zum Glück hatten wir gutes Wetter an diesem Abend, sonst wäre uns die Hütte wohl noch kleiner vorgekommen. Neben unserer Hütte gab es ein natürliches Badebecken, das Wasser der heißen Schwefelquellen hatte allerdings ca. 80 Grad, so dass noch kaltes Wasser hinzugefügt werden musste, so dann hatte das Becken eine angenehme Temperatur. Die meisten von uns saßen nach diesem langen Reittag in diesem herrlich warmen Wasser und genossen mit ein paar Bier die abendliche Stimmung. Später gingen wir noch mit Vilborg in der Dämmerung, es war mittlerweile halb 1 Uhr morgens, zu einer natürlichen Höhle, in der ein Verurteilter mit seiner Familie knapp 20 Jahre gelebt hatte, vor Angst vor der Strafe, er war zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. In der Hütte konnten wir nicht stehen, unvorstellbar, so 20 Jahre zu leben. Als die Familie dann später entdeckt wurde, wurde dem Mann seine Strafe erlassen, da dieses Versteck wohl schon Strafe genug war. In der Hütte haben wir isländische Lieder gesungen, Reitlieder natürlich, in denen immer wieder die Trittsicherheit und die Treue der Isländer gelobt wird.
Am nächsten Morgen wurde wieder gepackt und Brote geschmiert und in Schichten gefrühstückt, unser 5. Reittag begann. An diesem Tag überquerten wir die 3 Gletscherflüsse Blanda, Svartakvísl und Strangakvísl. Leider wusste keiner, wie tief die Flüsse wohl seien, dieser Ritt war der erste in diesem Jahr und so machten wir uns sicherheitshalber alle wasserfest beim letzten Stopp, bevor es durch die Flüsse ging. Die, die keine hohen Reitstiefel trugen, klebten sich Plastiktüten um die Füße und Unterschenkel, damit das Wasser nicht von unten in die Stiefel reinlaufen konnte. Wir sahen alle sehr komisch aus, aber es war eine gute Entscheidung, das Wasser ging bis zu den Bäuchen unserer Pferde, und da alle Pferde sehr eng zusammen liefen und auch zum Ende des Flusses schneller wurden, spritzte ordentlich Wasser hoch, es wurde keiner richtig nass, was auch gut war, denn an diesem Tag kam Wasser noch von überall. Nach morgendlichem Sonnenschein fing es an zu nieseln, es war eine total nasse Luft und wir standen in der Mittagspause genau wie unsere Pferde mit dem Rücken zum Regen und versuchten uns gegen diese durchdringende Nässe zu schützen. Nachmittags klarte es ein bisschen auf, die Sonne wärmte uns wieder und wir hatten die steinigen Gebiete nun wohl endgültig hinter uns gelassen, von nun an ging es Richtung Tal mit wunderschönen und herrlich langen Töltstrecken, es war ein tolles Gefühl bei dem Tempo eigentlich wie auf einem Sofa zu sitzen und die beeindruckenden und so endlose Natur genießen zu können. Auch dieser Tag war ein langer Reittag und wir waren froh, als wir die Berghütte Galtará erreichten, diese Hütte war mit dem Luxus von mehreren Duschen und Toiletten in der Hütte selbst ausgestattet, allerdings hatte sie dafür lange nicht so viel Charme wie die kleinen und sehr spartanischen Berghütten, die wir bisher zum Übernachten hatten. Es war der Abend vor dem letzten Reittag und wir bekamen eine Liste, in der wir unser Wunschpferd für den letzten Nachmittagsritt eingeben konnten, eine sehr nette Idee, wir hatten alle in den letzten fünf Tage doch einige unterschiedliche Pferde geritten und einige lagen einem und andere wieder nicht so sehr. Mein Vater und ich hatten Glück und bekamen dann auch wirklich unser „Wunschpferd“, die meisten anderen Mitreiter auch.
Es lag der letzte Reittag vor uns, dieser Tag führte unser immer weiter Richtung Atlantischen Ozean, vorbei am zauberhaften See Adalmannsvatn, wir ritten ins fruchtbare Tal Malifellsdalur im Skagafjördurgebiet, wieder hatten wir wie schon am Vortag, lange Töltstrecken und diesmal zeigte sich, welche Pferde konditionell stärker waren, unsere Gruppe zog sich weit auseinander, so hatte man einen tollen Blick auf die ganze Herde, sonst weiter nichts, erst ganz am Ende dieses Tages sahen wir wieder das erste Mal Teerstraßen, Häuser (außer unsere Übernachtungshütten) und Autos. Dieser letzte Tag mit seinem vielen Tölten und auch dem hohen Tempo war noch einmal eine richtige Freude und ein toller Abschluss dieser fantastischen Reitreise. Die letzten Meter ritten wir über Straße und mussten wir auf Autos achten und vielleicht wurde einem da der Zauber der letzten Tage noch mehr bewusst. Nachdem wir alle ein letztes Mal vom Pferd abstiegen, unsere Sättel aufhingen, unsere Sperrhalfter auf einen Haufen legten, die Satteltaschen und die Reithelme auf andere, saßen wir noch ein wenig in der Sonne zusammen und wir waren alle ein bisschen stolz auf uns, mein Vater und ich waren dankbar, dass keinem von uns etwas passiert ist und das wir diesen Ritt so sehr genießen konnten. Unsere letzte Nacht verbrachten wir dann in der Zivilisation und einer entsprechenden Unterkunft, mein Vater und ich schliefen in einem Doppelzimmer und wir verbrachten einen gelösten und voller Geschichten gespickten letzten Abend zusammen, bevor wir am nächsten Tag per Bus nach Reykjavik gebracht wurden. Dort zerschlug es uns dann in alle Himmelrichtungen, ein Teil der Gruppe traf sich abends in Reykjavik zum Essen in einem Restaurant, danach mussten wir dann aber alle Abschied nehmen.
Mein Vater und ich flogen voll mit unbeschreiblichen Eindrücken wieder nach Hause und das Leben ohne Zivilisation und auch ohne Uhrzeit erscheint uns ein bisschen wie ein geträumter Traum. Zurück erwartete uns der Alltag, mein Vater meine Mutter und mich mein Mann und meine beiden Söhne. Die Erinnerung an diese Reise, die Gerüche der Pferde, die Farbe der Gletscher, die Weite der Natur, diese unbeschreibliche Unberührtheit, die wir nur mit Tieren zusammen erlebt haben, dieses Gefühl wird wohl immer schwer zu beschreiben und wohl lange zu fühlen zu sein.

sola68

seltener Benutzer

4

Mittwoch, 19. Mai 2010, 21:34

wunderschöne erlebnisse

hallo verena,
bei deiner erzählung habe ich eine gänsehaut nach der anderen bekommen. du hast die reise so schön beschrieben, dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte.
es muß wirklich ein traum gewesen sein.
viele grüße

sonja

gundel63

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5

Mittwoch, 19. Mai 2010, 23:19

Königstraill

Hallo Verena,
ich habe diesen Trail 2006 im August bei sehr schönen Wetter geritten.Wir haben aber im Norden angefangen.Ich kann nur bestätigen das das ein Traum Trail ist.

LG :w:

UKE

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Wohnort: Raum München

6

Donnerstag, 20. Mai 2010, 08:16

Fliegende Mähnen

Hallo Verena,

vielen Dank für deinen tollen Reisebericht.Ich konnte die Mähnen der Pferde fliegen sehen, die urwüchsige Landschaft und das ursprüngliche. Auch an Regen scheint es euch nicht gefehlt zu haben, doch das andere hat die Nässe wohl vergessen lassen - jedenfalls im nachhinein. Dein Bericht macht viel Lust auf Island und seine tollen Tiere.

Ute

Uta

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Wohnort: Bayern

7

Donnerstag, 20. Mai 2010, 15:42

isländisches Zeitgefühl...

Hallo Verena,

ein wirklich schöner Bericht! Wenn ich den so lese, sollte ich vielleicht wirklich doch noch die Kjölur-Route reiten!?!

Als ich das 1. Mal in Island war und wir vom europäischen Kontinent anfangs etwas unruhig wurden, weil wir um 16 Uhr immer noch nicht zur Tagestour aufgebrochen sind, haben wir immer nur gehört: "Dunkel wird's im August!" Irgendwann haben wir uns dann der isländischen Gelassenheit angepasst und die Uhren weggelassen.

Uta

Ivy_Burrows

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Beiträge: 2

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Mühlheim/M.

8

Dienstag, 25. Mai 2010, 15:38

Kjölur

Hallo Verena,



vielen Dank für den schönen und ausführlichen Reisebericht. Werde den Königstrail - sollte der böse Vulkan weiterhin Ruhe geben und alle Flüge stattfinden - in 5 Wochen (26.06.-04.07.10) mitreiten und bin schon sehr gespannt darauf (und hoffe natürlich auf möglichst gutes Wetter).



Grüße,

Sabine

Katharina S.

unregistriert

9

Mittwoch, 7. Juli 2010, 17:41

Super Bericht - Weckt Erinnerungen

Vielen lieben Dank für den Reisebericht. Ich habe den Trail vor zwei Jahren mitgemacht, und durch den Bericht hat mich wieder ganz plastisch daran erinnert.
Ich glaube, ich sollte wieder mal Island-Reitferien buchen, der Norden lässt einem einfach nicht mehr loss ;)

Katharina

AnnaQ.

unregistriert

10

Mittwoch, 28. Juli 2010, 17:05

Genau so war´s!

Hallo Verena,



ach wie schön - ein Tagebuch von unserer Reise:-) Ich habe angefangen zu lesen und dachte, komisch, dass jede Tour wirklich so absolut identisch ist. Als Du dann zu der Beschreibung der Gruppenzusammensetzung kamst, habe ich doch nochmal auf Deinen Namen geguckt und gemerkt, Verena und Ihr Vater, dass ist nicht nur die gleiche Tour, sondern die selbe! Wirklich ein tolles Gefühl, jeden Tag nochmal nachlesen zu können. Mich hat unsere Reise so beeindruckt, dass ich dieses Jahr gleich wieder in Island war, diesmal zur Spezial Tour im Westen. Diesmal mit vielleicht nicht ganz so atemberaubender Landschaft, dafür etwas mehr Luxus, oder besser gesagt, Komfort, nämlich jeden Abend eine warme Dusche für alle. Außerdem waren die Reitwege über viele Strecken einfacher für die Pferde und wir konnten große Teile in "rasendem" Tölt zurück legen. Natürlich waren die Pferde auch diesmal große Klasse! Ich denke, ich werde in spätestens zwei Jahren wieder fahren...



Bist Du noch über Deine "alte" eMail zu erreichen? Ich hoffe, es geht Dir gut in Deinem neuen Leben und alles hat geklappt!



Ganz herzliche Grüße auch an Deinen Vater, ich würde mich freuen wieder was von Euch zu hören.



Anna

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